Es war düster, es regnete und es war kalt, doch die etwa 450 Menschen am gestrigen Sonnabend um 20 Uhr hatten Wärme im Herzen.

Still, kaum ein Wort und doch waren sich alle einig. Sich fremde Menschen kamen gestern zusammen um Anteilnahme zu nehmen. Respekt, Trauer und tiefe Bestürzung schob sich wie ein Kloß im Hals durch die Reihen. Die vielen Eltern nahmen in den bewegenden Minuten ihre Kinder einmal mehr fest an die Hand.

Der idyllische Ort Zella-Mehlis ist tiefster Thüringer Rennsteig, die Region gleicht einer Bilderbuchromantik. Seit gestern Mittag wird klar, dass es wie allzu oft nur eine Fassade, ein Schein der heilen Welt stilisiert.

Am morgigen Montag wird ein Stuhl in der Klasse 1b unbesetzt bleiben und jene, die einst auf ihm gesessen hat, wird sich nicht ersetzen lassen.

Ihre Mutter traut sich nicht mehr nach Hause, in jeder Ecke die lebhaften Erinnerungen. Liebevolle Erinnerungen an eine Tote und die zerfressende Tatsache, dass noch immer irgendwo dort draußen der perverse Mörder ihrer kleinen Tochter Mary-Jane ist.

Die ungehörten Schreie der siebenjährigen Marie-Jane aus Zella-Mehlis

Ein Großaufgebot der Polizei stand der ratlosen Trauergemeinde gegenüber und war sich schäbig genug, die Totenlichter beim Trauerzug löschen zu lassen. Der lange Trauerzug ging vorbei an der mütterlichen Wohnung und bei dem Anblick, dass genau gegenüber ein wahrhaft großzügiger und prächtiger Spielplatz steht, ließ auch den Tapferen das Herz erweichen.

Man mag sich nicht hinein denken wollen, welch grausame Dinge die Kleine durchleben musste, ehe sie die Augen schloss, da es einen innerlich zerreißt! Der Gedanke an den schlimmsten Albtraum, den Eltern haben können, wenn die Kinder spurlos nach der Schule verschwinden. Nur dieses, sich nicht hineinzudenken, was nach der Schule passierte, ist nicht zu verwechseln mit Resignation oder gar Gleichgültigkeit!

Und wenn wir irgendwann die Einzigen sind, welche die einzig realistische Strafe für Kinderschänder und Kindermörder fordern, nämlich die Todesstrafe, dann mag es so sein. Aber wir fordern dies kompromisslos und ehrlich, voller Wut , und einer grenzenlosen, inneren Aggression und würden lieber heute, als morgen mit dem Knüpfen der Stricke beginnen!

Es muss jedem Einzelnen klar sein, dass sich diese Gräueltaten häufen, nicht am anderen Ende des Landes passieren, sondern direkt in unserer nahen Umgebung – unseren Städten und Dörfern. Und wir können unsere Kinder nur schützen, wenn wir auf uns gegenseitig wieder mehr Acht geben, die Sinne schärfen und lieber einen Moment genauer hinsehen. Doch alle guten Ansätze werden ausgehebelt, wenn der Täter aus dem engen, dem persönlichen Umfeld des Opfers kommt.

Die ungehörten Schreie der siebenjährigen Marie-Jane aus Zella-Mehlis

Doch eines soll sich jeder vor Augen halten, in solchen Fällen gibt es kein “Auge zudrücken”, verschweigen, vertuschen. Die Realität ist viel zu bitter, als dass man über so was hinwegschauen und Schweigen darf! Wenn wir nicht bereit sind, für unsere Kinder das Wort zu erheben, die schützende Hand über sie legen oder eben für sie auf die Straße gehen … für was denn dann?

Der zurückgelassenen Familie, selbst Betroffenen und Anteilnehmenden drücken wir sprachlos die Hand und sind hilflos, wie die ungehörten Schreie der kleinen Mary.

Für Minuten der Hilflosigkeiten ein musikalischer Beitrag: Odem – Schlaflos

Abschließend möchten wir, das FN Altenburg, der Mutter der kleinen Mary-Jane unser tiefstes Mitgefühl und Beileid aussprechen. Das Freie Netz bedankt sich bei allen, die so kurzfristig zum Gedenken kommen konnten.

 

Update am 27.06.2011:

Die Polizei fahndet nach einem etwa 40 Jahre alte Mann, nach dem jetzt per Phantombild gesucht wird. Laut Zeugenaussagen trug er einen Drei-Tage-Bart und ein auffälliges, graues Basecap. Die Polizei bat die Bevölkerung um Hinweise zur Identität des Mannes.

Phantombild Mörder Marie-Jane aus Zella-Mehlis